Amber Rubarth ist eine der unzähligen Singer- / Songwriterinnen, die aus den USA nach Europa schwappen. Alle ausgestattet mit einem Piano oder einer Gitarre, manche auch mit beidem, begleitet von einer spärlichen Band. Was hebt Amber Rubarth hervor, warum sollten wir ausgerechnet ihre Musik hören? Zum einen besitzt sie einen ungeheuren Melodienreichtum, hat eine angenehme, sehr schöne Stimme, die sich einprägt und zum anderen sind es Stücke wie Full Moon In Paris, von denen es noch wenige gibt, aber die erkennen lassen, was für ein Potential in ihr schlummern könnte. Eine dichte Atmosphäre, angejazzt, kitschbefreit. Schlichtheit, wie in Song To The Stars. Experimentelles wie Golden Ratio Of Silence, das wie eine Coverversion John Cages klingt. Amber Rubarth lässt hier und da Ecken und Kanten erkennen, von denen es in Zukunft gerne mehr geben darf.
Disney-Filme sind ein Teil der Kindheit. Besonders für die Generationen, denen es erlaubt war, ohne (oder während des Entstehungsprozesses der) Videokassetten aufzuwachsen und die somit noch Wiederaufführungen im Kino kennen, verbinden mit Walt Disneys Meisterwerken glückliche Momente der Kindheit. So erinnert man sich gern an die Zeit, als das Dschungelbuch in einem kleinen, schäbigen Kino gezeigt wurde, für viele vielleicht der erste Kinobesuch ihres Lebens. Über Jahre hinweg waren die Songs qualitativ hochwertig, zuletzt galt dies, kaum einer hätte das nach den orientierungslosen Spätneunzigern erwartet, für Filme wie Enchanted und Winnie The Pooh. Doch was bleibt sind vor allem die Songs bis zum Anfang der 90er Jahre (Beauty And The Beast als Vertreter des letzten richtigen Disney Films, der musikalisch und bildlich überzeugt), insbesondere Songs aus Alice In Wonderland, Aristocats oder The Jungle Book, Songs mit denen man großgeworden ist und die sich zu Kulturgut entwickelt haben. Das haben auch Jazzer wie Dave Brubeck oder Miles Davis erkannt. Auf Disney Jazz Volume 1 wurde nun ein fantastisches Team aus alten und jungen Stars zusammengestellt, unter ihnen Dave Brubeck, Roy Hargrove, Esperanza Spalding, Dianne Reeves, Nikki Yanofsky oder Gilad Hekselman. Ein Team, das äußerst inspiriert musiziert. Besonders The Bad Plus sollen besonders erwähnt werden, da ihre furiose Interpretation des Beauty And The Beast Klassikers Gaston über den Hörer hereinbricht, als gäbe es kein Morgen. Die Entdeckung des Albums. Die vielerorts hochgelobte Nikki Yanofsky hingegen verblasst ein wenig im Angesicht der anderen Musiker. Trotz mitreißendem Big Band Arrangement wirkt ihr Gesang unterkühlt. Was hingegen überzeugt ist ihr Scattgesang. Es mag am Stück liegen – immerhin ist It’s A Small World wirklich eines der unbeliebtesten Stücke des Disneykatalogs. Everybody Wants To Be A Cat ist ein hochwertiges Album, das vor allem jazzaffinen Disneyfans gefallen dürfte. Den alten, dem Jazz entsprungenen Stücken wird neues Leben eingehaucht. Dass der Konzern in letzter Zeit immer mal wieder durch Qualität überzeugt, wissen wir spätestens, seitdem Brian Wilson bei ihnen einen Vertrag unterschrieben hat. Volume 2 wird mit Hochspannung erwartet!
Erschienen bei Disney Pearl Series / Disney Records / EMI.
Wie bereits erwähnt, geht Anna Depenbusch, die jüngst mit ihrem Album Die Mathematik der Anna Depenbusch überzeugte, auf Deutschlandtournee. In diesem Rahmen werden natürlich auch diekopfhoerer.eu anwesend sein und mit der Hamburgerin ein Interview führen. Aus diesem Grund interessiert mich, was ihr von ihr immer schon wissen wolltet. Ich werde dann versuchen, die Fragen an sie weiterzuleiten.
Am 7. Mai wird Coke Sound Up erneut ein Live Konzert streamen. Diesmal ist es Fans der Band Mando Diao möglich, ihre Helden völlig kostenlos im Internet zu sehen. Überdies gibt es die Option, per Webcam Fragen zu stellen, die dann von der Band beantwortet werden. Dazu muss das gedrehte Video bei Youtube hochgeladen werden und der Link anschließend an myinterview@coke.de geschickt werden. Passend zum Stream gibt es natürlich ein Livekonzert, dessen Besuch auch kostenlos sein wird. Tickets gibt es www.coke.de.
Build A Rocket Boy! ist meine erste Elbow CD. Zwar gab es bereits vorher Kontakt zu ihrer Musik, coverte doch Peter Gabriel jüngst Mirrorball auf seinem umstrittenen Album Scratch My Back, doch ein komplettes Album habe ich bisher noch nicht gehört. Umso mehr bin ich von Build A Rocket Boys! überrascht. Selten gelingt es einer Band, solch emotionale Tiefe zu schaffen, einen Chor völlig unkitschig zu integrieren (Lippy Kids, The River) und auf ungemein hohem Niveau zu texten. Guy Garveys Texte sind nicht nur formal gelungen, funktionieren als eigenständige Gedichte, er singt auch über Grundbedürfnisse, Wünsche uvm. Dabei sind die Stücke recht spärlich arrangiert, wirken experimentell und sind so gar nicht das, was man von einer Band erwarten würde, die in ihrem Heimatland zu Megasellern geworden sind. Elbows Build A Rocket Boy! liefert den Beweis, dass gute Musik durchaus auch von der Masse gehört werden kann und gehört in jede gut sortierte CD Sammlung. Eines ist sicher: Lippy Kids gehört schon jetzt zu den Songs, die man nicht mehr missen will. Um es mit Russel Hammonds Worten zu sagen: „Das ist die scheiß Magie!“
Yael Naim gelang der große Durchbruch trotz eines vielbeachteten Hits nicht. Sie teilt somit das Schicksal ihrer Kollegin Bic Runga, dessen Sway einen ebensolcher Hit war, deren Alben aber zu komplex sind, um einen breiten Massengeschmack zu befriedigen. Zu verjazzt, zu kryptisch, zu weit von dem entfernt, was ihren Hit ausmachte bewegten sich Yael Naim und David Donatien. Es war auch das Hebräische, was vielen den Zugang erschwerte, aber ihrer Musik den Zauber des Fremden verlieh. Leider ist diese wunderschöne Sprache auf ihrem neuen Album nicht mehr zu hören. Dafür bietet sie wieder einmal ein kleines Gesamtkunstwerk. Zusammen mit David Donatien hat sie ein nicht minder interessantes Album geschaffen, das in den besten Momenten an Joni Mitchell erinnert und dessen einzige Schwäche das fürchterliche Cover ist, auf dem Naim sich selbst kaum ähnlich sieht und in einem kitschigen Kontext posiert. Nun, die Hitdichte des Albums hat deutlich zugenommen, dennoch sträubt man sich mit Songs wie Today gegen den poppigen Trend, verschanzt sich vor der Welt, bietet die bereits erwähnten Joni-Mitchell-Momente.
Das Debütalbum der Fleet Foxes räumte richtig ab. Es war einfach schön, hatte ein tolles Cover und alles stimmte. Die Musik bezauberte und die Band war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Helplessness Blues ist nun der heiß ersehnte Nachfolger. Doch seit dem ersten Album und der Sun Giant EP ist so einiges passiert. So z.B. The Courage Of Others von Midlake. Es genügt nun nicht mehr, Musik aus dem Bauch heraus zu machen, mal eben so seine Instrumente zu beherrschen, wenn die Jazzstundenten aus Texas Folkmusik auf höchstem Niveau musizieren. Dennoch kann man den Fleet Foxes keinen Vorwurf machen. Sie machen das, was sie auch schon zuvor getan haben. Mehrstimmiger Harmoniegesang wechselt sich mit Gitarrenpassagen ab und sie haben ihr Klangrepertoire sogar um eine Violine erweitert. Und es gibt Stücke wie The Cascades oder The Shrinean Argument (bei dem man nicht weiß, ob einen das Freejazzsolo erfreuen oder verärgern soll), in der die pure Lust am musizieren deutlich spürbar ist. Helplessness Blues ist eine zweigeteilte Sache, denn ungefähr ab der Mitte hat die Band den Sound gefunden, den man sich von ihr wünscht. Da wird es gut, da macht es süchtig. Die Fleet Foxes sind an einem Scheideweg angekommen. Entweder sie machen, was sie zuvor schon gemacht haben und gleiten ins Belanglose ab, oder sie orientieren sich an der zweiten Albenhälfte. Dann, ja dann werden sie zu Giganten.
Erschienen bei Bella Union / Cooperative / Universal.