Tonträger der Woche: Peggy Sugarhill – Rockabilly Music Is Bad Bad Bad

Peggy Sugarhill Rockabilly Music Is Bad Bad Bad CD Cover

Die Kopfhoerer sind nicht unbedingt dafür bekannt, Alben zum Tonträger der Woche zu erheben, die in die Vollen gehen und ungeniert abrocken. Doch gibt es intern keine Regel, die das verbieten würde. Peggy Sugarhill hat es  diese Woche mit ihrem Live im Studio eingespielten Album geschafft, sich einen Platz in meinem Herzen zu erspielen. Die Direktheit, das Unbekümmerte und gleichzeitig eine nicht zu verachtende Virtuosität macht Rockabilly Music Is Bad Bad Bad auch für den Jazzmusiker interessant. Vier Eigenkompositionen sowie Klassiker des Genres wie Jackie DeShannons Breakaway oder Brian Setzers Switchblade sprechen ihre ganz eigene, raue, manchmal kitschige Sprache. Überdies sind im Rockabilly einige der traurigsten Zeilen zu hören, die jemals von Frauen gesungen wurden. Unter den Eigenkompositionen sticht besonders She Don’t Love You hervor, bei dem man seinen Ohren nicht trauen möchte. Aber auch Breakaway muss sich keineswegs hinter dem Original verstecken, es ist um einiges direkter und geht ins Bein. Einzig die Balladen (Giselle / I Won’t Stand In Your Way) kommen etwas zu kurz, verhindern aber, dass das Album ins kitschige abdriftet. Doch Brian Setzers I Won’t Stand In Your Way ist ideal, um die Balladenquote zu erfüllen, es erinnert an die besten Tage des weiblichen Rockabillys und ist eine Teenagerballade wie sie im Buche steht. Sie wird getragen von Sugarhills angenehm weicher, angekratzter Stimme.

Gefangen zwischen den Rollenbildern der 50er Jahre und dem Drang sich selbst zu befreien entstanden in den frühen Tagden der Rockmusik Songs, die mehr berühren als irgendeine Selbstbefreiungsnummer der späten 70er und alle Alanis Morissette Stücke zusammen. Peggy Sugarhill sorgt dafür, dass man Lust bekommt, sie zu entdecken, sich auch mit den Frauen des Genres zu befassen. Ein leider viel zu kurzes Album, das man nicht verpassen sollte.

Erschienen bei Bear Family.

Subjektiv:

Rating: ★★★★☆ 

Objektiv:

Rating: ★★★★☆ 

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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