Posted on 31 August 2010 by Julian
Birk hat mir vor einigen Tagen folgende Informationen zum Help Music Award In Berlin zukommen lassen, die für einige von euch sicher interessant sind:
Unter dem Motto „Musik schafft Brü̈cken“ findet am 22./23. Oktober in Berlin die erste Auszeichnung für soziales Engagement in der Musik statt. Über 150 Künstler und Bands aus den Genres Rock, Pop, Indie, Electronica, Hip Hop/ Rap, Dancehall/Reggae und Unterhaltungs-Musik, haben ihre Teilnahme am größten Benefiz-Festival Deutschlands bestätigt. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildet die Verleihung des unabhängigen und zukunftsweisenden Musikpreises Help Music Award, der in allen Genres vergeben wird.
Die nominierten Künstler haben sich durch Unterstützung vieler toller Projekte hervorgetan. Dieses möchte das Help Music Komitee und die Jury mit dem Help Music Award auszeichnen und sich mit einem großen Festival gemeinsam mit allen Fans bedanken. Viele der Künstler haben schon jetzt für diesen besonderen Tag persönliche Gegenstände gespendet, die Ihre Fans auf dem Help Music Festival 2010 gewinnen können. Darunter sind u.a. die Kette von Bill Kaulitz von Tokio Hotel, Reamonn’s kleiner Elefant aus Afrika und noch viele andere Überraschungen. Der von geistig und körperlich benachteiligten Menschen gefertigte Award ist verbunden mit einer Spende aus dem Erlös des Help Music Festivals für ein Hilfsprojekt, das vom jeweiligen Gewinner unterstützt wird.http://www.help-musicaward.com/charity
Genauso vielfältig wie die Kategorien des Awards präsentiert sich das Festival an sich. Auf mehreren Themenbühnen werden über 150 Künstler und Bands mit Fans feiern, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.
Posted on 30 August 2010 by Julian
Gestern Abend bin ich bei der Nachtwiederholung von Exklusiv darauf aufmerksam geworden, dass einige Prominente ein erhebliches Problem mit Lady Gagas neuem Musikvideo Alejandro haben, jenem Video, das SM-Motive, faschistische Ästhetik und allgemeine Kirchenkritik mischt. Zu den besagten Prominenten gehörten u.a. Anne-Sophie Briest (Natalie – Endstation Babystrich Reihe) und Nina Hagen (Auf’m Bahnhof Zoo, TV Glotzer, Du hast den Farbfilm vergessen). Während erstere sich nur um das seelische Wohl ihres Kindes sorgte (was sie nicht tun müsste, würde sie einen Webfilter nutzen und ihr Kind nicht allein Fernsehen schauen lassen) warf Hagen Lady Gaga vor, ihr Kunst sei keine solche sondern Pornographie. Nun, betrachten wir einmal die Definition von Pornographie etwas genauer. So sagt das Reallexikon der Deutschen Literaturwissenschaft (de Gruyter, 2003):
Pornographie: Darstellung sexueller Akte in Wort, Bild oder Ton, die darauf abzielt, den Rezipienten sinnlich zu erregen oder durch die Obszönität der Darstellung zu provozieren.
Vergleicht man nun das betreffende Musikvideo mit der oben stehenden Definition, so handelt es sich bei dem Video durchaus um Pornographie – allerdings nicht der Darstellung eines sexuellen Aktes wegen, der nur angedeutet wird, sondern aufgrund einer eventuell enthaltenen provozierenden Obszönität.
Das Sachwörterbuch der Literatur (Kröners Taschenbuch, 7. Auflage) hingegen definiert Pornographie wie folgt:
Form der Schundliteratur, unzüchtige Steigerung der erotischen Literatur mit ästhetisch, kompositorisch, stilistisch und literarisch wertloser, unmissverständlicher Darstellung geschlechtlicher Vorgänge (Geschlechtsverkehr, Sexualpraktiken, Perversion) entstanden zu dem ausschließlichen Zweck, sexueller Stimulierung und daher stets unoriginell, monoton in Wiederholung und Steigerung und das schickliche Maß des noch vertretbaren Geschmacks mit betontem Reiz zum Obszönen hin übersteigend.
Also genau das, was Nina Hagen ihrerseits sowohl in ihrem Stück Heiss andeutete
Ich war zu Hause unter meiner kalten Brause
Und da kam Herr Wichsmann unter meinen Wasserhahn
Ach, war das toll!
Ihm tropfte ab der Schweiß, er sagte:Mir ist heiß!
Ich bin heiß!
Ach, warum sind denn nicht alle so heiß?
Ja, ist es denn ein Wunder?
in ihrem ersten, weniger bekannten Buch Ich bin ein Berliner. Mein sinnliches und übersinnliches Leben. hinreichend deutlicher beschrieb und letztendlich im Fernsehen in der Sendung Club 2 deutlich zeigte [Video 1].
Abgesehen davon, dass sich beide Definitionen auf Literatur beziehen ist doch zu erkennen, dass etwas nur dann als pornographisch angesehen werden kann, wenn zum Einen der sexuelle Akt bildlich dargestellt wird (durch Penetration, deutliche Präsentation primärer Geschlechtsmerkmale etc.) und zum Anderen eine monotone Wiederholung eines ästhetisch wertlosen Vorgangs vorliegt. Man könnte sicherlich argumentieren, dass Lady Gagas Video unoriginell sei, war doch alles schon einmal als Musikvideo vorhanden (So z.B. bei Madonna [Video 2], Grace Jones [Video 3] oder Rammsteins Pussy) doch trifft diese Kritik auf alles Mediale zu, ist es doch schwer, etwas völlig Neues zu zeigen, ohne dabei weitere Grenzen zu überschreiten. Werden Grenzen aufgebrochen entstehen Filme wie SAW 2 oder Hostel 1 & 2 (die in der Übersteigerung des Gewaltgehalts auch nur eine Wiederholung des bereits in den japanischen Guinea Pig Filmen Gezeigten sind). Auch Videos wie Smack My Bitch Up von The Prodigy überschritten einst Grenzen, sind auch heute noch harter Tobak waren aber nie vor 23 Uhr im deutschen Musikfernsehen zu sehen.
Was man nun auch von der Kunstperson Lady Gaga, ihrer Musik oder der Darstellung eines sexualisierten Faschismus‘ halten mag, ob einem die blasphemischen Inhalte stören oder nicht – was Kunst ist und was nicht lässt sich einfacher definieren: Kunst ist ein aus dem kreativen Prozess entstandenes Werk, also sowohl Musikvideo als auch Lied, Text, Bild Film o.ä.. Zu guter Letzt noch eine Anmerkung: Wurde in der Sendung noch behauptet, SM Praktiken wären unnormal so muss erwähnt werden, dass aktuelle Sexualforscher und Psychoanalytiker dem deutlich wiedersprechen würden.
Einige Videos können aufgrund des Jugendschutzes nicht gezeigt werden.
[Streitobjekt]
[youtube Vb5yaeZySok]
[Video 1]
[youtube 4YxJ5UShIDg]
[Video 2]
[youtube 12wP5W2R0wY9]
[Video 3]
[youtube nhMA6attV0Y]
Posted on 29 August 2010 by Julian
Le Pop Musik / Groove Attack
Coeur De Pirates selbstbetiteltes Album erwarte ich, seit ich ein französischer Bekannter das Album aus seiner Heimat mitbrachte. Die Musik von Béatrice Martin ist poppig, im Chanson verankert und von einem sehr einnehmenden Wesen. Sie ist sowohl in Kanada als auch in Frankreich ein Shooting Star und es wäre wünschenswert, würde ihre Musik auch hier zünden, denn ihren Melodien kann man nicht entkommen. Man nehme z.B. Comme des Enfants, Fondu Au Noir, Berceuse oder Ensemble. Die Musik frisst sich in die Gehörgänge und lässt einen nicht mehr los. So wechselt Berceuse in einen lockeren Walzer mit Akkordeon und Handclaps, die Stimmung schwankt zwischen melancholischer Stimmung und fluffig-fröhlichem Mitsinglied. Ensemble ist wieder einfach nur locker und lebt vom Stakkatopiano und dem Gesang Martins. Ein Killerrefrain ist natürlich inklusive. Und auch hier gilt: Die zuckersüße Stimme lässt das Stück aufleben! Zum Abschluss gibt es noch den tollen Le Matos Remix von Comme Des Enfants, der zeigt, dass Coeur de Pirate auch absolut Clubtauglich ist. Eine Bitte an Le Pop: Bringt die Frau nach Hannover!
[youtube i3u0vq0WyIA]
Posted on 29 August 2010 by Julian
Virgin Records / Relentless / India Records / Rough Trade
Seth Lakemans Album Hearts And Minds ist ein typisches Folkalbum, wie man es von einem Engländer erwarten würde. Er geht richtig zur Sache, hat aber auch ein Gespür für ruhigere Töne, wie er auf Stepping Over You beweist. Eine richtig schöne Ballade, die auch gut fürs Radio geeignet wäre. Der Opener Hearts And Minds hingegen geht in die Vollen. Die bittere Abrechnung mit der Finanzkriese lebt vom intensiven Gesang Lakemans und seinem Violinenspiel. Interessant wäre es auf jeden Fall, ihn mal live zu erleben. Da könnte er die Menge zum Kochen bringen. Wer auf guten, direkten Folkrock steht, darf beherzt zuschlagen. Wer hingegen eher die frühen Jethro Tull oder Genesis bevorzugt ist hier fehl am Platz. Dennoch: Ein solides Album, das zum Tanzen einlädt und tolle Melodien bereit hält..
[dailymotion xeennx]
Posted on 29 August 2010 by Julian
Pflanz einen Baum / Rough Trade
Wer bist du? Liebe Alin Coen, ich bin der Julian und mag dein Album wirklich sehr gern. Dein smoother Jazz mit Popanleihen – aber vor allem deine Stimme – erinnern mich an irgendeine amerikanische Sängerin, doch ich kann nicht so ganz sagen welche. Dein sirenenhafter Gesang blockiert mein Erinnerungsvermögen. Dein Stück Same Boat macht mich richtig glücklich (du singst hier ein wenig wie Ani Di Franco) und bei Wolken ist mir zuerst gar nicht aufgefallen, dass der Text plötzlich ins Deutsche wechselt. Das Album ist wirklich schön geworden und ich hoffe inständig, dass du noch viele weitere aufnehmen wirst und wünsche dir großen Erfolg damit. Und vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem Konzert…
[dailymotion xefhn3]
31. Aug 20:00 naTo, Leipzig
02. Sep 20:30 Weltecho, Chemnitz
05. Sep 20:30 CAT, Ulm
06. Sep 21:00 Voltaire, Tübingen
07. Sep 20:00 merlin, Stuttgart
08. Sep 21:00 Jos Fritz Cafe, Freiburg
09. Sep 20:30 Kohi, Karlsruhe
11. Sep 21:00 Cafe Galao, Stuttgart
14. Sep 21:30 Ponyhof, Frankfurt (a.M.)
15. Sep 21:00 Cafe Vinyl, Wetzlar
16. Sep 21:00 Klangstation, Bonn
17. Sep 21:00 Raststätte, Aachen
18. Sep 21:00 Havanna 8, Marburg
21. Sep 20:00 Haus der Pioniere, Gera
27. Sep 20:00 Privat Club, Berlin
28. Sep 20:00 Prinzenbar, Hamburg
29. Sep 20:30 BLUE SHELL, Köln
30. Sep 20:30 59:1, München
15. Oct 20:00 Riff-Club, Halle
16. Oct 21:00 Kasseturm, Weimar
18. Oct 22:00 Cafe Wagner, Jena
Posted on 28 August 2010 by Julian
Herzog Records / spinner ace records
Nighthawks Album Today ist ein typisches Album für Menschen, die eher wenig mit Jazz zu tun haben, aber gerne zu jazziger Musik entspannen. Ob tanzend im Club (Boutique Korkut), beim gemeinsamen Dinner (Slave To The Moon) oder beim Meditieren (Dust). Für jeden ist etwas dabei. Gerade Dust (featuring Habib & Semira Abdollahzadeh) hat es mir besonders angetan. Ein wenig erinnert es an Tai Chi Too von Oliver Shanti And Friends, was nicht abwertend gemeint sein soll, den diese Musik stand in den 90ern für innovative Welt- und Esoterikmusik. Das Stück lädt zum Entspannen ein. Einfach wunderschön. Aber auch die schnelleren Nummern haben es in sich. Diese erinnern ein wenig an Goldfrapps Supernature. Und doch möchte ich zum Ende hin meine Bemerkung korrigieren: Today ist nicht nur etwas für Menschen, die wenig mit Jazz zu tun haben – es ist auch ein Album, das dem progressiven Jazzer gefallen dürfte.
Posted on 27 August 2010 by Julian
Maryvine Records / R.D.S. / Cargo Records
Manchmal gibt es CDs, die einen für einen kurzen Moment den Atem nehmen. Midlake ist so etwas mit ihrem neuesten Werk gelungen oder auch Eels mit End Times. Auch Sara Gazarek (Review folgt nächste Woche) hat es drauf. Und Marie Fisker. Man muss es nicht besonders originell finden oder erwarten, dass etwas noch nie Gehörtes auf der CD zu finden ist (So erinnert Hold On To This For A While etwas zu sehr an Venus in Furs von Velvet Underground). Doch Marie Fisker schafft es, dass wir zuhören. Sie versteht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen ohne dabei auch nur für einen kurzen Augenblick von der Musik abzulassen, um uns mit optischen Reizen abzulenken. Für mich ist Ghost Of Love ein Album, das so schnell nicht im Schrank verschwinden wird. Schön, abgründig und ein klein wenig verrucht. Peter von Schallgrenzen sieht das übrigens so ähnlich.
[youtube BYnU0CiWQ7A]