Carsten Daerr Trio – Wide Angle

Traumton / Indigo

Carsten Daerr, Oliver Potratz und Eric Schaefer legen Wert darauf, dass man den Bandnamen wörtlich nimmt, mit der Betonung auf Trio. D.h. es gibt keine Dominanz eines Bandmitgliedes, jeder Musiker findet seinen Freiraum. Das Presseinfo spricht von einem Dreieck, eine Metapher, die m.E. den Kern der Sache genau trifft. Bei der gemeinsamen Suche nach dem perfekten musikalischen Moment will man sich auf eine Reise begeben, immer wieder Neues entdecken und experimentieren. Anfangs war es für mich ein wenig schwer, Zugang zu finden. Obwohl ich einiges gewohnt bin (mit Zappa, John Cage und Stockhausen sozialisiert) war es mir zu wirr, zu frei. Ich brauchte eine Pause. Inzwischen frage ich mich jedoch, was mir den Zugang so erschwert hat, ist das Album doch voll von magischen Momenten. Walls, Interludium 1: Allenby, das schlagartig endende Intuition oder Full Aperture sind voller Transzendenz, die Wahrnehmung wird überschritten. Ein Kraftakt, sicherlich. Irgendwo zwischen Ornette Colemans Ornette On Tenor und Archie Shepps The Magic Of Juju – nur ruhiger. Eher eine Reise für Neugierige, weniger für Pauschaltouristen. Ein Album wie David Lynchs Inland Empire. Experimentell, verschlungen, befreit.

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Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.