Konzertkritik: Charly Antolini’s Swing Mail Special feat. Bruce Adams am 21.05.2009 auf dem Trammplatz, Hannover

anz1

Fotos: Peter Auringer

Irgendwie hat es ja Tradition, am Himmelfahrtstag auf dem Trammplatz in Hannover zu erscheinen und Jazzmusik zu hören. Dieses Jahr war das Festival (ausgerichtet vom Jazzclub Hannover) durch die Anwesenheit des vielleicht besten deutschen Jazzschlagzeugers überhaupt geehrt. Unglücklicherweise traten die Bands nicht nach einem zeitlich festgelegten Schema auf und so kamen wir viel zu spät und wurden nur noch Zeuge eines sehr langen, aber nie langweiligen Schlagzeugsolo des Meisters, danach wurden noch ein paar Stücke gespielt und es gab natürlich eine Zugabe. Antolini scheint wirklich, rein technisch kaum gealtert zu sein, legt er doch ein irrwitziges Tempo vor, von dem sich so mancher Schlagzeuger eine Scheibe abschneiden könnte. Kommt denn dieser Mensch nie ins Schwitzen? Auch das Trompetenspiel von Bruce Adams war selbstverständlich überragend aber das ist bei einer Band, in der Antolini spielt bei jedem Musiker der Fall. Antolini wirkt sympathisch, keine Spur von dem oftmals überheblichen Jazzergehabes.ant4
Nach den gelungenen Zugaben kochte der Trammplatz, doch als die Ankündigung kam, dass nun ein Gospelchor spielen würde, machten nicht nur wir uns aus dem Staub, nur um einer Schülerbigband in die Arme zu laufen, die viel lauter und vor allem schlechter spielten. Der Diletantismus‘ (sorry Jungs & Mädels) war so unerträglich, dass es kaum zum Aushalten war. Besonders übel wirkte die Rhythmussektion, der es nicht gelang, den Takt zu halten, geschweige denn, das Schlagzeug richtig zu stimmen. Tja, gegen Antolini kann eben auch keine übertriebene Lautstärke anstinken. Und so bleibt zu hoffen, dass der Jazzclub bald wieder durch Antolinis Anwesenheit geehrt wird.

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil. Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.