Nikka Costa – Pebble To A Pearl (New Version)

nikkapebbleStax / Gofunkyourself / Concorde / Universal

VÖ: 10.03.2009

Stuck To You / Can’t Please Everybody / Pebble To A Pearl / Someone For Everybody / Cry Baby / Keep Wanting More / Keep Pushin’

Love To Love You Less / Without Love / Damn I Said It First / Loving You / Bullets In The Sky / The Denial Twist

Das erste Stück, dass ich jemals von Nikka Costa hörte war „On And On“, vom 2005er Album can’tneverdidnothin‘. Ein beeindruckendes Stück, leider gefiel mir das dazugehörige Album überhaupt nicht. Ich kann gar nicht mal sagen, warum. Als ich jedoch hörte, dass Costa nun auf Stax veröffentlicht, musste ich ihr noch eine Chance geben. Stax, Traditionslabel für gute Soulmusik (Staple Singers, Isaac Hayes, Carla Thomas, The Bar Keys) ist seit einiger Zeit wieder im Geschäft und inzwischen können die Veröffentlichungen auch wieder an alte Zeiten anknüpfen. Wer in den letzten zwei Jahren zum Soul gekommen ist, erwartet erfahrungsgemäß von neuen Veröffentlichungen Musik a la Amy Winehouse, Joss Stone oder Duffy. Prinzipiell ist das auch völlig in Ordnung, machen alle drei doch mehr oder wenig gute Musik. Man sollte jedoch nicht aus den Augen verlieren, dass Amy und Joss ganz eindeutig vom Motownsound beeinflusst sind, Duffy hingegen Northern Soul produziert, also jenen Sound, der in Großbritannien eine alternative zu Motown darstellte. Der Stax-Sound war immer anders. Weniger kommerziell ausgerichtet und stärker am Gospel orientiert, eine Musikrichtung, die Berry Gordy zwar zu schätzen wusste, jedoch nicht produzierte, in dem Wissen, dass diese Musik nicht bei der weißen Käuferschicht ankommen würde. Wer also eine neue Amy/Duffy/Joss Platte erwartet, braucht gar nicht erst weiterlesen. Nikka Costa hat den Funk ausgegraben, sie groovt so ungeniert vor sich hin, dass es eine Freude ist. Die Musik wächst mit jedem Hördurchgang, absolut jedes Stück lädt zum tanzen ein. „Stuck To You“ gibt den Takt vor, mit „Can’t Please Everybody” gehts dann erst richtig los. Das ist die Musik, die ich auf der nächsten Soulparty hören will. Sicher, es handelt sich hier nicht um die Ohrwürmer einer Amy Winehouse, aber das ist auch gut so. Zwischendurch glaubt man, sie würde sich bei Stevie Wonder bedienen (Someone For Everyone, Cry Baby), jedoch ist dieser Eindruck nur von kurzer Dauer, denn wie gesagt, lebt sie im Stax-Universum. Bei diesem Album fehlt aber auch gar nichts. Wah Wah Sounds, Hohner Clavinet, fette Bläsersätze, Mellotron, Hammondorgel, Moog und sogar eine Voicebox. Isaac Hayes meets Rufus Thomas mit der unglaublichen Stimme einer Nikka Costa. Ihre Musik ist das exakte Gegenteil von der ebenso begabten Joan Osborne. Habe ich schon das Drumming erwähnte? Wahnsinnig direkt, dennoch verspielt und unglaublich einnehmend. Es gibt sogar eine Ballade, von der man im ersten Moment denkt, dass sie nur eine Coverversion eines alten Soulklassikers sein kann (Love To Love You Less). Mit „Without Love“ kommt dann doch ein deutlicher Stevie Wonder/Motown Einfluss durch. Allerdings meine ich den unverbrauchten Wonder. Wer „Innervisions“ kennt, weiß, was ich meine. Und dann gibt es auch noch zwei richtig tolle Coverversionen auf dem Album: „Loving You“ von Johnny Guitar Watson, der wahrscheinlich ziemlich stolz darauf sein würde und „The Denial Twist“ von Jack White. Zugegeben mag ich Jack Whites Musik überhaupt nicht, aber im Arrangement von Nikka Costa gewinnt der Song an Bodenhaftung und groovt – wie der Rest des Albums – vor sich hin, aber das habe ich ja schon erwähnt. Nikka Costa ist zurück um uns alle zu holen. Diesmal ohne Kompromisse!

http://www.myspace.com/nikkacosta

subjektiv4sterne

objektiv4sterne

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.