Carl Craig & Moritz von Oswald – Maurice Ravel And Modest Mussorgsky Recomposed

cover2Deutsche Grammophon / Decca / Universal

Intro / Movement 1 / Movement 2 / Movement 3 / Movement 4

Interlude / Movement 5 / Movement 6

Ja was ist denn das? Carl Craig und Moritz von Oswald remixen Maurice Ravel und Modest Mussorgsky? Techno und Klassik gemischt, kann das gut gehen? Ja, kann es. Das Techno und Klassik sich nicht so fremd sind, wie man gemeinhin vermuten würde musste ich zum ersten Mal erfahren, als ich bei einer Veranstaltung der HGNM anwesend war und neben diversen Klassikern (z.B.  wurde Stockhausen gespielt) auch eine ziemlich gute Technoband auftrat, die natürlich taktisch ans Ende der Veranstaltung gelegt wurde, damit auch alle Spießer vorher schön die Flucht ergreifen konnten. Gewarnt ob der Lautstärke des Folgenden wurde selbstverständlich auch. Die Veranstaltung war schon ein wenig verlogen. Zugegeben ich halte sehr viel von Neuer Musik und höre sie mir auch gerne zu Hause an. Deshalb möchte ich jetzt Neue Musiker nicht niedermachen, schließlich bin ich mit einigen auch befreundet, aber es grenzt schon an einer derben Unverschämtheit, zu verlangen, dass sich die Jugend für Klassik interessiert (vor allem für experimentelle Klassik) und dann selbst Augen und Ohren vor Popmusik zu verschließen, zumal sich die Musik in ihrer Reinform kaum voneinander unterscheidet. Aber egal. Das dürfte mit dieser Aufnahme so oder so erledigt sein, wenn ein Label wie die alt eingesessene Deutsche Grammophon, die auch Nerds wie Anne Sophie Mutter unter Vertrag hat (die ja immer wieder äußert, was sie von Jugendmusik hält), ein Technoalbum verlegt. Die Künstler hatten sogar komplette künstlerische Freiheit. Was hier zerlegt wurde ist Maurice Ravels „Bolero“ und Modest Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“. Beides schätze ich in ihrer Uhrversion sehr. Der Grundbeat ist ganz klar Ravel, hinzu kommt versatzweise Mussorgsky. Am Anfang ist es noch sehr klassisch aber keineswegs in Reinform belassen. Es muss dem Leser klar sein, dass ich hier nicht von „Futur Trance“ oder „Moby“ (nichts gegen seine Musik, die war schon zeitweise ganz gut) rede, sondern von der Quintessenz des Techno. Quasi Techno in seiner ursprünglichsten Form. Freiform um genau zu sein. In „Movement 5“ hört man dann endlich auch mal Mussorgsky raus. Nicht wie bei „Emerson, Lake And Palmer“ oder Isao Tomita aber wenn man das Stück einigermaßen kennt, ist es deutlich zu erkennen. Nun, die CD ist schon ziemlich heftig, teilweise kaum auszuhalten – aber das wurde bei der Premiere von Ravels „Bolero“ auch gesagt. Frauen fielen in Ohnmacht, ganze Horden von Menschen verließen die Aufführung, zum Schluss wurde heftig gebuht. Ravel war noch nicht Easy Listening für eine gebildete Mittel und Oberschicht. An die Stelle Ravels treten nun Carl Craig und Moritz von Oswald. „Bolero“ hat seine revolutionäre Frische wieder und ich vermag gar nicht einzuschätzen, welche musikhistorische  Bedeutung die Aufnahme noch haben wird. Oj Gewalt!

http://www.recomposed.de/

subjektiv3sterne

objektiv5sterne

Wenn dir der Artikel gefällt, wirst du mein Buch lieben: The Beach Boys - Pet Sounds

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.