Album des Jahres / Top 8 des Jahres

Es gibt Jahre, in denen erscheinen Klassiker am laufenden Band. Alben, die man immer und immer wieder hören kann, Alben, die nie langweilig werden und unser Leben bereichern. Die 60er Jahre waren voll davon. Alle Klassiker zusammengenommen füllen eine Plattensammlung (viele Klassiker sind der breiten Masse nicht bekannt – das meiste fand noch im ungeliebten Easy Listening statt, zu viele unbekannte Bands nahmen Standardwerke auf, die jeder einmal gehört haben sollte, wie die sehr junge Band „Mystic Siva“). In den letzten Jahren gab es immer weniger wirkliche Klassiker. Die 90er waren da besonders arm dran. 2008 hingegen ist ein Jahr, das es wirklich in sich hatte. Sergio Mendes tat sich noch einmal mit Will.I.Am zusammen und flog in seine alte Heimat Brasilien um mit alten Freunden und neuen Talenten (z.B. aus der Baile Funk / Funk Carioca Szene) ein neues Album aufzunehmen. Leider geriet sein neues Album zu experimentell und auch das europäische Ohr braucht eine Weile, um sich an den neuen brasilianischen Sound zu gewöhnen. Ein Gastspiel auf dem Album haben die Legenden Herb Alpert (Trompete) und Lani Hall (ehemalige „Brasil 66“ Sängerin und Alpert Ehefrau). Doch möchte ich dem Album seinen Wert nicht absprechen, deshalb landet es bei mir auf Platz 8. Coralie Clement veröffentlichte endlich ein neues Album, in dem sie mit Spielzeuginstrumenten experimentierte. Ein schön unschuldiges Chansonalbum entstand, das leider nicht an das grandiose „Salle des pas perdus“ heranreicht. Macht aber nichts. Trotzdem finden sich in den 35 Minuten einige tolle Songs. Das Album macht vor allem Spaß. Um zu gucken, ob es ein Jahr hält kam es leider zu spät im Jahr heraus. Trotzdem gehört es auf Platz 7. Die Überraschung des Jahres war wohl Altrocker Udo Lindenberg, der ein Hammeralbum präsentierte. Schön düstere, dennoch Lebensbejahende, ehrliche Texte wirken auf den Hörer ein. Danke Udo, ich habe immer an dich geglaubt. Du kannst es immer noch. Platz 6. Coldplay taten sich mit Brian Eno zusammen, das Ergebnis riecht nach Platz 5. Das Album ist einfach verdammt gut. Leider nicht so toll wie die ähnlich experimentelle zweite CD von Keane („Under The Iron Sea“), die es dieses Jahr mit „Perfect Symmetrie“ gründlich versaut haben. Duffy, Sängerin der Herzen und Souldarling ist mein persönlicher Platz 4. Wow, das Album rockt und man hat ein ganzes Jahr davon zehren können. Keine zweite Amy Winehouse, nein, sie ist eigenständig und kommt ohne Skandale aus. Man kann sich vollkommen auf die Musik konzentrieren (vorausgesetzt man vergisst zwischenzeitig mal ihr phänomenales Aussehen). Und was kam da aus Seattle? Folkrock der Fleet Foxes. Sie wurden schon mit so ziemlich jedem kalifornischen Musiker der 60er verglichen und auch CSNY mussten herhalten, doch bin ich der Meinung, dass ihr Sound eigenständig ist. Wunderschön, ausgefeilt, schwebend und dennoch bodenständig. Mein Platz 3. Auf Platz 2 folgt der Meister. Brachte er nach 30 Jahren des Wartens „Smile“ endlich auf den Markt kam er nun mit einem neuen Album daher. „Lucky Old Sun“ lief bei mir auf Endlosrotation. Seine Stimme hat sich erholt, die Depressionen scheinbar überwunden. Was bleibt ist „Endless Harmony“. Brian Wilson, du bist einfach der Meister. Besser als die Beatles, aber das wussten wir ja schon immer, waren die doch zu viert plus verschiedenen Produzenten, machtest du alles allein. Leider gewannen sie den Krieg. Aber du hast zu letzt gelacht!
Platz 1 teilen sich dieses Jahr eine Band und ein Solomusiker. Die Band heißt She & Him. Zooey Deschanels sympathisches Folkduo mischte die Indieszene auf! Die Frau hat es drauf. Das klingt alles so wunderbar alt und doch modern. Sehnsüchtig warten wir auf das Nachfolgealbum. Hoffentlich kommt es nächstes Jahr endlich auf den Markt. Der Solokünstler von dem ich spreche hat dieses Jahr für Furore gesorgt durch die Wiederveröffentlichung der verschollenen „Legendary 1975 Record Plant Studio Sessions“. Sein Name ist James Last und „Live In Los Angeles“ das Beste seit Voodoo Party. Eine Platte, die in jeder Musikzeitschrift Höchstnoten erzielte. Und das von James Last. Wie sagte eine Freundin von mir so schön: „Wenn er will, kann er unglaubliches vollbringen“. Ich stimme ihr zu. Kein Witz!

Wer ich bin: Ich schreibe Bücher, forsche zur Massenkultur (Comics!), komponiere, liebe Musik & bin hoffnungslos franko-/italophil.

Woran ich glaube: Wir sollten im Leben danach streben, Narren zu sein. Immer auf der Suche, niemals am Ziel, von Neugier getrieben, mit offenen Augen, Ohren & Geist durch die Welt gehend.

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